Rückzug in den eigenen Wellnessbereich

Wo finden wir in unserer Wohnung Entspannung? Vor dem Fernseher, werden viele sagen, vielleicht auch beim Kochen oder im Hobbykeller. Oder aber … beim Baden oder Duschen. Da kann man schon mal die Zeit vergessen. Egal, ob bei der Vorbereitung auf einen netten Abend, beim Lesen eines Buchs oder vor dem Schlafengehen. Das Bad ist eine Anders-Welt, ein Ort des Übergangs, an dem wir während der täglichen Routine automatisch in einen Denkmodus unwillkürlichen Reflektierens schalten, den Tag planen oder Revue passieren lassen, unser Spiegelbild betrachten oder Tagträumen nachhängen. Wo wir während der Minuten unter der Regendusche oder entspannt im Badewasser unseren Gedanken nachhängen können.

Die Parameter für das, was uns im Leben wichtig ist, haben sich verschoben. Viele Menschen empfinden eine starke Intensivierung sowohl der beruflichen Anforderungen als auch des Privatlebens. Beide scheinen uns immer stärker durch Zeitdruck geprägt sowie durch den Anspruch, darin auch so etwas wie Erfüllung zu finden. Sofa-Hocker sind die Anti-Helden in dieser Weltanschauung. „Lebe individuell, vor allem aber lebe intensiv“ lautet das Credo unserer Zeit. Dabei suchen wir die obligatorische Selbstverwirklichung häufig im Privaten.

Vieles davon, selbst das gesellschaftliche Leben, spielt sich heute zuhause ab und findet dort auch einen materiellen Ausdruck in Form von Kücheneinrichtung, Home Entertainment, Garten oder Heimwerker-Ausstattung. Individualisierung und Genuss scheinen fast schon zu den Grundrechten zu gehören. Genuss wird dabei eng an körperliche Erfahrungen geknüpft, die durch Bewegung, gutes Essen, Gesundheitspflege und Entspannung bewusst zelebriert werden. Immer häufiger schwingen dabei auch mentale Strategien und kulturelle Faktoren mit. „Wellness“ wird so zum vielschichtigen Konzept unserer Zeit. Doch während Badekuren früherer Generationen ein eher gesellschaftliches Ereignis waren, zieht man sich heute in ein Spa zurück. Her erleben wir bewusste Körpermomente, genießen Ayurveda- oder Thalasso-Kuren, lassen uns mit Massagen verwöhnen, achten auf unsere Ernährung und bringen so Körper und Geist in Einklang. Der private Luxus steht im Vordergrund beim Wellness-Erlebnis – in einem ausgefallenen Hotelbadezimmer genauso wie beim Wellness-Wochenende im Naturschutzgebiet oder mit einem Gutschein für ein Tagesticket im Day-Spa. Und genau dieses Lebensgefühl wollen sich immer mehr Menschen auch in ihn Privatbad holen.

Neue Bäder verfügen deshalb nicht nur über erweiterte Features – angefangen von stimmungsvoller Beleuchtung bis hin zur persönlich programmierbaren, mit Licht-, Sound- und Dufteffekten ausgestatteten Großraumdusche. Sie sehen auch ganz anders aus als die früheren Funktionsräume. Technik wird in Badmöbeln versteckt, die Wände werden verputzt, mit Vinyltapeten verkleidet oder mit Fliesen wie aus Tausendundeiner Nacht versehen. Holzdielen und Beleuchtungssysteme werden verlegt, Wände mal aufgebrochen und durch Raummodule ersetzt oder komplett mit Regalwänden ausgekleidet. Es ist nicht mehr zu übersehen: Das Bad wird wohnlicher, sowohl in Bezug auf verwendbare Materialien als auch in Bezug auf die Raumnutzung und -ausstattung.

Dieser Lifestyle-Trend braucht ein eigenes Raumkonzept. Die von Sanitärunternehmen hierfür entwickelten Modelle weisen viele unterschiedliche Elemente auf – wie etwa Wohnlichkeit, Funktionsdifferenzierung, Wasserinszenierung oder Regenduschen. Sie alle haben einzeln gesehen nichts Revolutionäres an sich. In einer sinnvollen Kombination schaffen sie jedoch einen innovativen, ambitionierten Badezimmertyp: das Private Spa. Hier wird Wellness zur Kultur, und im Private Spa nimmt diese Kultur eine feste Form an.

Es ist aber auch Ausdruck eines neuen Verständnisses von Luxus, der darin liegt, Raum und Zeit zu finden, um für das körperliche und seelische Wohlbefinden zu sorgen. Denn fast noch wichtiger als der „Spa-Effekt“ ist beim Private Spa das „Private“: Nur in der Abgrenzung von der Öffentlichkeit – sei es die berufliche oder auch die soziale Öffentlichkeit, die im Zuge von Homing selbst in der eigenen Wohnung zunehmend präsent wird – finden wir heute den nötigen Abstand, der Entspannung und Selbstfindung ermöglicht. Puristen werden dabei eher ein Gestaltungsprinzip des Weniger-ist-Mehr favorisieren und vielleicht ein möglichst natürliches Ambiente oder das naturnahe Erlebnis suchen. Doch auch die komfortable Variante eines Private Spa – ausgestattet etwa mit Dampfsauna, Musikanlage, digitalisierter Bedienung, Kamin und Sessel – bietet als Voraussausetzung für Entspannung ein Gefühl der Geborgenheit und einer Ästhetik der Harmonie zwischen menschengemachter Materialität und der elementaren Kraft des Wassers. Denn das Private Spa ist ein Badkonzept, das die Routine zum Ritual und das Wasser zum Erlebnis macht.