Der Regen peitscht durch die Straßen, der Donner grollt, immer wieder zucken Blitze am Himmel. Kann ich jetzt eigentlich gefahrlos duschen? Oder sollte ich lieber noch warten?

Die kurze Antwort: In modernen oder fachgerecht sanierten Gebäuden ist duschen bei Gewitter in aller Regel unbedenklich. Heikel wird es nur in unsanierten Altbauten mit Metallleitungen, in denen weder ein Potentialausgleich noch ein Blitzschutzsystem vorhanden ist.

Der VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V.) macht seine Einschätzung ausdrücklich vom Gebäude abhängig: „In Gebäuden mit Blitzschutzsystemen besteht für Mensch, Tier und Technik prinzipiell keine Gefahr.“ Fehlt ein solches System, kommt es auf die Installation an. Der Hintergrund: Schlägt ein Blitz in der Nähe ein, kann sich der Strom über metallene Wasser-, Gas- oder Heizungsleitungen ins Gebäude ausbreiten. Da Leitungswasser leitfähig ist und der Körper beim Duschen direkten Kontakt zu Wasserstrahl und metallischen Armaturen hat, kann es zu einem elektrischen Schlag kommen – auch dann, wenn der Blitz nicht direkt ins Haus einschlägt.

Altbau versus Neubau

Wie hoch das tatsächliche Risiko ist, hängt stark vom Zustand der Elektro- und Sanitärinstallation ab. In älteren Gebäuden, insbesondere aus der Zeit vor den 1970er-Jahren, sind Wasserleitungen häufig nicht in ein durchgängiges Potentialausgleichssystem eingebunden. Fehlt dieser Schutz, können Spannungsspitzen ungehindert über Rohre und Armaturen weitergeleitet werden.

In Neubauten schreibt die Normenreihe DIN VDE 0100 einen konsequenten Potentialausgleich vor: Alle leitfähigen Installationen – Wasser-, Heizungs- und Gasleitungen ebenso wie elektrische Anlagen – werden geerdet und miteinander verbunden. Dadurch werden Spannungsunterschiede, wie sie bei einem Blitzeinschlag entstehen können, wirksam ausgeglichen. Zudem sind die Leitungen in modernen Gebäuden meist aus Kunststoff, die keinen Strom leiten. Das Duschen in Neubauten oder sanierten Altbauwohnungen ist also in der Regel sicher. Ein Restrisiko lässt sich aber – etwa bei einem direkten Einschlag ins Gebäude – nie vollständig ausschließen.

Im Zweifel abwarten

Wer nicht weiß, ob sein Haus über einen Potentialausgleich oder ein Blitzschutzsystem verfügt und aus welchem Material die Leitungen sind, sollte mit dem Duschen oder Baden warten bis das Gewitter vorbei ist. Als Faustregel für den Abstand gilt: Drei Sekunden zwischen Blitz und Donner entsprechen etwa einem Kilometer. Liegen mehr als 30 Sekunden dazwischen, ist das Gewitter rund zehn Kilometer entfernt und damit weit genug weg.

Wer es dauerhaft wissen will, kann den Ist-Zustand fachlich abklären lassen. Ein SHK-Fachbetrieb (Sanitär, Heizung, Klima) kann feststellen, aus welchem Material die Wasser- und Abwasserleitungen bestehen. Für den Potentialausgleich und ein mögliches Blitzschutzsystem ist dagegen eine Elektrofachkraft zuständig. Viele SHK-Betriebe arbeiten mit Elektrofachbetrieben zusammen und können den Kontakt herstellen – spätestens bei einer anstehenden Badsanierung sollten beide Gewerke ohnehin miteinander sprechen.

Wichtig zu wissen: Potentialausgleich und Blitzschutzsystem sind zwei verschiedene Dinge. Der Potentialausgleich nach DIN VDE 0100 gehört zu jeder normgerechten Hausinstallation. Ein äußeres Blitzschutzsystem („Blitzableiter“) nach DIN EN 62305 (VDE 0185-305) ist für normale Wohnhäuser dagegen nicht generell vorgeschrieben – viele Einfamilienhäuser haben keines.