Teilsanierung statt Komplettumbau

Das Haus in München ist inzwischen gute 30 Jahre alt, und dem Bad unter der Dachschräge sah man die Jahre langsam an. Eine defekte Duschfaltwand, eine beschädigte Duschwanne und chronischer Platzmangel machten den Handlungsbedarf schließlich notwendig. Statt alles herauszureißen, entschied sich Familie Spitzer für eine Teilsanierung: WC und Bidet blieben, Dusche, Badewanne, Waschplatz, Boden und Heizkörper wurden erneuert, ohne ihre Anordnung zu ändern. Begleitet wurde das Projekt von der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft e. V. (VDS), dem Dachverband der Sanitärbranche. Das Ergebnis zeigt, wie viel sich ohne einen Komplettumbau erreichen lässt.

Für die Bauherrin und ihren Mann war es die erste Badsanierung in ihrer Eigentumswohnung – und sie hatte sich lange angekündigt. „Es kam alles in die Jahre, es war abgenutzt und einfach nicht mehr schön“, erinnert sich die Bauherrin. „Die schönen Bäder in den Zeitschriften haben mich animiert, das Projekt irgendwann anzugehen.“ Trotzdem fiel die Entscheidung bewusst gegen die Komplettsanierung, die schnell 30.000 bis 40.000 Euro kosten kann. „Ich wollte nicht alles wegbrechen – es war ja vieles noch gut.“ WC und Bidet blieben deshalb erhalten. Der Fachbetrieb erneuerte lediglich das Innenleben des Spülkastens. Nur die gewünschte neue Betätigungsplatte mit Spartaste war ohne Komplettaustausch nicht zu machen – „irgendwo muss man mal eine Kröte schlucken“. Dass das erhaltene WC nach alter Gewohnheit etwas niedrig ist, nimmt die Bauherrin in Kauf: Austauschen kann man später immer noch. So konzentrierte sich die Teilsanierung dorthin, wo der Leidensdruck am größten war – auf Dusche, Wanne und Waschplatz. Bei der Ästhetik wurden keine Kompromisse gemacht. Neue, etwas breitere Fliesen am Waschplatz und in der Dusche passend zu den bereits vorhandenen Wandfliesen, dazu ein neuer Bodenbelag und ein neuer Anstrich lassen alles wie aus einem Guss wirken.

Entscheidung für ein klassisches Konzept

Klassisches Farbkonzept: Das Bad blieb Weiß, ergäntz durch einen neuen Bodenbelag aus dunkelgrauen, großformatigen Fliesen.

Zwei bis drei Jahre hat die Bauherrin Ideen gesammelt: in Zeitschriften, auf Messen und in Online-Videos, vor allem aber in Badausstellungen des Handwerks und Großhandels, wo sie Produkte direkt vergleichen konnte. „Die Idee musste erst reifen. Es war ein längerer Prozess, bis ich wusste, was ich wollte.“ Eine befreundete Designerin empfahl ein klassisches Farbkonzept: Das Bad blieb Weiß, dazu kam lediglich ein neuer Bodenbelag aus dunkelgrauen, großformatigen Fliesen – eine ruhige Basis, die sich mit Accessoires und Wandfarbe immer wieder neu inszenieren lässt. Bei der Produktauswahl hatte die Münchnerin eine klare Vorstellung: Qualität von deutschen Markenherstellern, eingebaut vom Fachbetrieb. „Ich wollte keinen Schnickschnack, aber solide Produkte.“

Mehr Platz in der Dusche

Mehr Platz zum Duschen: Auf der größeren Duschfläche hat jetzt ein Sitz Platz, und der Einstieg ist niedriger als früher. Großformatige Glasflächen ersetzen die alte Faltwand.

Der größte Störfaktor im alten Bad war die Dusche: eine kaputte Faltwand, eine beschädigte Duschwanne – und vor allem Enge. „Mein Mann ist körperlich nicht mehr so fit. Er hat Rückenprobleme und braucht einfach Platz und die Möglichkeit, sich zu setzen.“ Die neue Duschfläche ist spürbar größer, sodass nun auch ein Sitz hineinpasst, und statt der Faltwand gibt es großformatige Glasflächen, die sich nach dem Duschen einfach abziehen lassen. Auf eine bodengleiche Dusche hat die Bauherrin bewusst verzichtet. Der Abfluss braucht Höhe und Gefälle, ein bodenebener Einbau hätte in ihrem Fall einen aufwändigen Eingriff in die Leitungen bedeutet. Bei der neuen Dusche stellt die niedrige Stufe für ihren Mann zum Glück kein großes Hindernis dar. Insgesamt ist das neue Bad aufgeräumter, heller und vor allem im Duschbereich funktionaler.

Die Wanne: lieber neu als halbe Sache

Wasser über den Wannenrand: Das Wasser läuft über die Garnitur „Multipex Trio“ von Viega ein – auf eine separate Wanneneinlaufarmatur an der Wand konnte so verzichtet werden.

Eigentlich sollte die alte Badewanne bleiben, doch das Material hätte nicht mehr zur neuen Duschwanne gepasst. Eine gute Entscheidung, wie sich beim Abriss herausstellte, denn an der alten Wanne wären hässliche Silikonreste sichtbar geblieben. Die Bauherrin wählte eine neue Acrylwanne (Duravit): „Sehr angenehm, weil nicht so kalt.“ Sie ist rund zehn Zentimeter länger als die alte, weil hinter der alten Verkleidung noch Spielraum war. Eine Idee des Fachbetriebs, die sie erst skeptisch stimmte, begeistert sie heute. Das Wasser läuft nicht mehr über eine klassische Armatur ein, sondern über eine integrierte Wannenrandbefüllung – eine Kombination aus Wannenzulauf und -ablauf (Multipex Trio von Viega). „Erst dachte ich: Ob das funktioniert? Aber es ist super – viel schöner, viel schicker.“ Dass überhaupt eine Wanne blieb, war der Wunsch ihres Mannes – genutzt wird sie heute allerdings vor allem von ihr selbst.

Insgesamt aufgeräumter, heller und funktionaler

Unter der Dachschräge: die Kommode ist weg, der neue, schmalere Badheizkörper. Sitzmöbel und wenige Accessoires in der Nische lassen das Bad geräumiger und aufgeräumter wirken.

Das alte Doppelwaschbecken war angeschlagen, die Anschlüsse darunter lagen offen, und für die vielen Badutensilien gab es nur eine alte Kommode. Dadurch waren die wenigen Ablageflächen von Körben und Kästchen für die üblichen Klein-Utensilien belegt – für Dekoration gab es kaum Raum zur Entfaltung. Ein Zustand, den viele kennen. Neben dem Wunsch nach einer neuen Dusche als Motiv für eine Renovierung nennen in der von VDS und Forsa erstellten Grundlagenstudie Badezimmer 2024 ganze 44 Prozent der Befragten fehlenden Stauraum als Manko ihres Bades. Heute ist der Waschplatz das Herzstück des Münchener Badezimmers. Eigentlich wäre der Bauherrin ein Einzelwaschtisch mit größerer Ablagefläche lieber gewesen. Doch der neue Doppelwaschtisch (auf den ihr Ehemann nicht verzichten wollte) bietet neben den zwei Einzelbecken auch breite, flache Ränder: „Wir sind zwar so gut wie nie gleichzeitig im Bad, aber so hat jeder seinen eigenen Waschtisch, und es bleibt trotzdem noch genügend Ablagefläche direkt neben dem Becken, was uns Frauen oft wichtig ist.“

Stauraum, Ablagen und gutes Licht am Waschplatz

Der neue Waschplatz bietet Komfort, stimmungsvolles Licht und Stauraum satt, während das klassische Farbkonzept Weiß und Grau, Alt und Neu wohnlich verbindet und dabei offen bleibt für künftige Veränderungen.

Auf dem keramischen Doppelwaschtisch „ME by Starck“ (Duravit) stehen Einhebelmischer-Armaturen mit schwenkbarem Auslauf „Lineare“ (Grohe). Darunter verkleidet ein Waschtischunterschrank der Möbelserie „L-Cube“ (Duravit) die Abflussrohre und öffnet auf sanftes Antippen geräumige Soft-Close-Auszüge. „Obwohl das Ganze gar nicht so groß wirkt, bietet der Waschplatz extrem viel Stauraum. Für mich ist das Luxus.“ Auf Empfehlung des Fachbetriebs hängt statt der zwei alten Wandspiegel über der Waschtischanlage nun ein Spiegelschrank aus derselben Serie wie der Unterschrank. Innen verspiegelt und mit dimmbarem, umlaufendem Lichtrahmen erfüllt er gleich drei Wünsche auf einmal: Spiegel, Licht zum Schminken und zusätzlichen Stauraum. „Jeder kennt noch den alten Alibert von der Oma – das ist komplett anders geworden.“

Ein Wohlfühlbad – und ein Impuls für mehr

Licht, Luft, Ordnung. Sinnvoll unterm Dach verteilt finden sich links Badewanne und Dusche, an der Stirnseite der Waschplatz vor dezent farbig gestalteter Wand, und am Boden erden die neuen dunkelgrauen Großformatfliesen.

Was man im fertigen Bad nicht sieht: Hinter den Wänden erneuerte der Fachbetrieb Leitungen und Unterputztechnik, denn die alten Unterputzkörper passten nicht mehr zu den neuen Armaturen. Auf den alten Boden kamen leicht angeraute Fliesen, die sich nicht so kalt anfühlen, und der neue, schmalere Badheizkörper – doppellagig ausgeführt – liefert sogar mehr Wärme als sein breiter Vorgänger. Das Ergebnis fasst die Bauherrin in einem Satz zusammen: „Es ist ein Wohlfühlbad geworden.“ An dem klar gegliederten Raum gebe es nichts mehr, was sie störe.

Der Umbau verändert für seine Bewohner sogar den Start in den Tag: „Ich gehe ganz anders in das Bad hinein. Es macht schneller wach.“ Für sie ist das Bad wie ein zweiter Wohnraum – zum Entspannen, mit eingelassenem Wasser und Kerzenlicht. Und weil ein gelungener Raum Energie freisetzt, steht schon fest: Die Teilsanierung war erst der Anfang. Weitere Projekte in der Wohnung sind in Planung.

Auch Jens J. Wischmann, Geschäftsführer der VDS, ließ es sich nicht nehmen, das fertige Bad vor Ort zu besichtigen und mit der Bauherrin zu sprechen. Sein Fazit: „Nicht jeder kann oder will gleich ein komplett neues Bad bauen. Dieses Bad zeigt, wie viel eine gut geplante Teilsanierung bewirken kann. Mit Markenqualität und kompetentem Fachhandwerk lassen sich gerade die Themen lösen, die laut unserer Grundlagenstudie viele Menschen umtreiben: eine komfortable Dusche und mehr Stauraum in einem insgesamt neu und modern wirkenden Bad.“